Etwas will durch dich in die Welt kommen. Ein Perspektivenwechsel in der Berufsorientierung

Wenn wir vor der Frage stehen wie es beruflich weitergehen soll, versuchen wir Antworten vor allem mit dem Kopf zu finden. Wir grübeln wieder und wieder über die Frage nach “Was will ich wirklich, wirklich” – Und verkennen dabei, dass uns gerade diese Frage oft im Weg steht, um eine Antwort zu finden, die wirklich stimmig ist. Ich lade deshalb ein zu einem Perspektivenwechsel: Weg von der Frage “was will ich?”, hin zu der Frage “was will durch mich in die Welt kommen?”.

 

Wir: Teil eines lebendigen Ökosystems

Die Frage “Was will ich?”, so wichtig sie gelegentlich auch zu stellen ist, führt nur bedingt zu der Klarheit, nach der wir uns sehnen. Denn sie impliziert, dass es nur darum geht, wie wir uns an einer Weggabelung entscheiden wollen. Uns sie negiert, dass es da eine viel größere Dimension gibt, von der wir Teil sind. So lohnt sich der Blickwechsel zu dieser größeren Perspektive: Statt nur uns selbst zu sehen, wie wir vor dieser Weggabelung stehen und diesen oder den anderen Weg wählen können, lohnt es sich, ein wenig herauszuzoomen und von oben auf uns zu blicken. Von dort oben können wir erkennen, dass es da ja nicht nur uns und die Weggabelung gibt, sondern dass wir eingebettet sind in ein großes Ökosystem. Dass wir Teil sind eines riesigen Planeten namens Erde. We are a chunk of planet, walking around. Und wie jedes Element eines Ökosystems haben auch wir unseren Platz darin. So wie der große Kirschbaum in meinem Garten, die Vogelspinne im Regenwald und der Flusskrebs im Weiher ihren organischen Platz und ihre Aufgabe im Ökosystem haben, so haben auch du und ich einen Platz und eine Aufgabe im großen Ökosystem, von dem wir Teil sind. Auch für uns gibt es einen Ort, an den wir organischer gehören als an andere Plätze. Wo wir authentischer sind. Und lebendiger. Auch für uns gibt es eine Tätigkeit, für die es genau das spezifische Set an Interessen und Begeisterungen, an Werten, Stärken und Schwächen braucht wie wir es verkörpern. There is a dance only you can dance.

 

You matter!

Es ist also nicht beliebig ob du einen Beruf wählst, für den es dein spezifisches Set an Talenten und Eigenschaften braucht oder nicht. Es macht einen Unterschied: Für dich und für deine Mitwelt. Für dich, weil es kaum etwas frustrierenderes gibt als tagtäglich in einer Tätigkeit zu sitzen, die uns entweder keine Freude bereitet, in der wir keinen Sinn entdecken oder durch die wir mehr mit unseren Schwächen als unseren Stärken konfrontiert sind. Andersherum gibt es kaum etwas was Menschen so lebendig macht wie das Entdecken und in-die-Welt-bringen des eigenen Beitrags. Die leuchtenden Augen meiner KursteilnehmerInnen, wenn sie “ihres” entdeckt haben und umsetzen, sprechen für sich. Ob du einen Beruf wählst der wirklich stimmig ist macht aber nicht nur für dich einen Unterschied, sondern auch für deine Mitwelt: Denn es hat weitreichende Folgen, wenn wir unsere Talente und Interessen, unsere Werte und unsere Lebendigkeit nicht in die Welt bringen, sondern brach liegen lassen. Wenn wir das Thema, das uns so wichtig ist und dass durch uns in die Welt kommen will, links liegen lassen und stattdessen eine Arbeit machen, für die es eigentlich gar nicht uns braucht oder die wir nicht als wichtig und wertvoll erachten. Denn Hand aufs Herz: Das Thema für das DU brennst, ist das gesellschaftlich relevant oder egal, ob es das in der Welt gibt oder nicht?

Ich habe durch meinen Beruf in den letzten Jahren mit wirklich vielen Menschen darüber geredet, was sie denn eigentlich wirklich tun wollen. Und ich habe dabei keine einzige Person getroffen die über etwas gesprochen hat, was gesellschaftlich irrelevant oder gar schädlich wäre. Im Gegenteil: Wenn Menschen dem lauschen, was durch sie in die Welt kommen will und was sie als ihren Ruf wahrnehmen, dann ist es immer etwas, das nicht nur sie selbst, sondern auch wir als Gesellschaft brauchen. Da geht es immer um Werte wie Gerechtigkeit und Frieden, Schönheit und Lebendigkeit, Verbundenheit und um eine lebenswerte Zukunft.

Das hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass das was wir als unseren inneren Ruf wahrnehmen auch zugleich das ist, was wir als Gesellschaft brauchen, um zukunftsfähig zu sein. Wie soll es auch anders sein? Wie jedes lebendige Ökosystem reguliert sich auch das Ökosystem, von dem wir Teil sind, durch seine Teile. Das, was wir als unseren Ruf wahrnehmen ist also das Leben selbst, das sich durch uns reguliert und evolutioniert.

 

Ein evolutionärer Impuls

“Ich bin Leben, inmitten von Leben, das leben will” hat Albert Schweizer einmal gesagt und den Gedanken auf den auf den Punkt gebracht. Es ist nicht so dass wir hier sind und Evolution irgendwo dort draußen. Evolution passiert nicht jenseits und unabhängig von uns, sondern durch uns. Wie sich Gesellschaften und Ökosysteme entwickeln, was wächst und was verkümmert: Es ist nicht unabhängig von uns, und wir sind nicht nur Produkt dieser Evolution, sondern auch Träger und Trägerin. Es sind unsere Verhaltensmuster, die dazu beitragen, in welche Richtung wir uns als Ökosystem weiterentwickeln. Und andersherum ist es aber auch die evolutionäre Kraft, die durch uns wirken will; das Leben, das sich durch uns evolutionieren will. Es gibt eine Kraft in diesem Ökosystem, die wir wahrnehmen als Impuls der Kreativität, als sexuelle Energie, als schöpferischer Impuls und Triebfeder von Innovation. Eine Kraft, die entwickeln will, die vorwärts strebt, die durch uns durchdringt und etwas verkörpern will. Einen Impuls, der uns treibt und trägt und inspiriert, wenn wir uns ihm hingeben. Ein Impuls, der sich für uns anspürt wie ein Ruf: Etwas klopft an, etwas ruft, eine Sache drängt danach, erkundet, erlebt, erschaffen zu werden.

Diesem Impuls zu lauschen und zu folgen bedeutet, mit dem Leben mitzugehen statt gegen des Fluss des Lebens anzukämpfen. Es bedeutet, den eigenen Platz in der Evolution einzunehmen und teilzuhaben an der Entfaltung des Lebens.

 

Die Freiheit, nicht passende Plätze zu wählen

Als Menschen haben wir die Freiheit, auch andere Plätze einzunehmen als die, an die wir organisch gehören. Doch es ist mühsam. Sind wir an einem Platz, an den wir eigentlich nicht gehören, spüren wir Erschöpfung, wir sind oft nicht ganz in unserer Kraft, wir verausgaben uns, können uns nur schwer motivieren, spüren nur geringe Wirkkraft und oft auch ebensowenig Lust und Lebendigkeit. Haben wir unseren Platz gefunden und eingenommen, so gibt es zwar auch dort Durststrecken und Motivationslöcher, jedoch ist die Grundstimmung eine andere: Sinn, Lebendigkeit, Lust und Freude tragen uns, wir sind kreativ, kraftvoll und vor allem fühlen wir uns genährt, getragen und inspiriert. Auch wenn wir alles geben, wenn wir unsere Arbeit mit vollem Herzen leisten und gelegentlich sicherlich auch erschöpft und müde davon sind – Sie laugt uns nicht aus, sondern sie gibt uns mindestens genauso viel Energie, wie sie uns entzieht. Solange wir aber das Gefühl haben, an einem Platz zu sein, an den wir eigentlich nicht ganz gehören, haben wir wahrscheinlich auch das Gefühl, das etwas mit uns nicht ganz stimmt. Ganz im Sinne Einsteins, der schreibt:

“Everyone is a genius. But if you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live its whole life believing it is stupid.”

 

Was will durch mich in die Welt kommen?

Statt also die Frage zu stellen “Was will ich?” lohnt es sich also, den Blick zu weiten und zu fragen: “Was will durch mich in die Welt kommen?”. Was ist es, was da anklopft, was durch uns verkörpert werden will, was durch uns erschaffen, manifestiert, umgesetzt werden will? Was ist das Thema, das durch uns weitergesponnen, entwickelt und gehoben werden will? Welches Thema, welche message, welche Werte drängen durch dich durch, beschäftigen dich immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise, wollen von dir in die Welt gebracht werden. Du “sitzt” auf diesem Thema, es liegt dir am Herzen, du bringt es in unterschiedlicher Form immer wieder bei Gesprächen ein, es macht dich vielleicht euphorisch oder auch wütend, wenn du darüber sprichst. Da schlummert etwas in dir, was dir so richtig wichtig ist, wofür du wirklich gehen willst. Mehr noch: Wofür du gehen musst.

Im Ansatz meiner Berufsberatung ist also die Frage nach dem richtigen Beruf ist nicht nur eine hedonistische Frage, auf was du gerade Lust hast. Es ist auch nicht nur eine ökonomische Frage, was der Arbeitsmarkt gerade zu bieten hat. Sondern es geht darum, einen Beruf zu finden, der wirklich stimmig ist: Für dich und deine Mitwelt.

Um einen solchen Beruf zu finden, brauchen wir gute Unterstützung. Deshalb begleite ich dich dabei, deinen eigenen Platz zu erkunden und die innere Stärke und Ausrichtung zu entwickeln, voll dafür zu gehen.

Und was will durch DICH in die Welt kommen?

Finde es raus. Setze es um.
Berufsnavigations-Coachings unterstützen dich dabei.

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