Wie wir gute (berufliche) Entscheidungen treffen. 7 einfache Tools

Wenn es darum geht, Entscheidungen an Weggabelungen zu treffen, dann versuchen wir das zumeist vor allem mit dem Kopf. „Was ist es, was ich wirklich will?‘, „Welchen Weg soll ich wählen?“, „should I stay or should I go?“: Um diese und andere Fragen zu klären reden wir, grübeln wir, und schreiben die selben Gedanken wieder und wieder in unser Tagebuch. All das ist gut und wichtig. Doch manchmal führt es eher in das Gegenteil als in die gewünschte Klarheit: Die Frage, was wir eigentlich machen wollen und wie wir uns in einer Sache entscheiden sollen dreht sich als nicht mehr anhaltendes Gedankenkarussell in unserem Kopf. Verwirrt wissen wir schon gar nicht mehr was wir nun eigentlich wollen und sollen und wie wir das nun endlich herausfinden können. Was tun, wenn wir an dieser Stelle feststecken? 

Was hilft uns, wirklich weiterzukommen mit einer wichtigen Frage, anstatt die gleichen Gedanken wieder & wieder auf Dauerschleife zu denken? Was können wir tun, wenn wir an dieser Stelle feststecken? 7 einfache Tools.

1. Downloading

“Downloading” nennt Otto Scharmer (Begründer der Theorie U) den Modus einfach nur alles auszudrücken was wir bereits gedacht haben. Denn oft sind es ja wieder und wieder die selben Gedanken, die wir denken, ohne dabei irgendwie weiterzukommen. Wenn wir diese Gedanken noch klarer benennen, dann müssen wir sie nicht auf Dauerschleife denken, sondern können erkunden, welche weiteren Gedanken noch dahinter schlummern.

Schnapp dir ein Notizbuch und schreibe einfach mal auf, was du über die Entscheidung denkst, vor der du stehst: Ohne Anspruch dabei eine Lösung zu finden oder neue Gedanken zu entwickeln. Schreibe einfach nur das auf, was du eh die ganze Zeit denkst.

 

2. Der inneren Kritikerin einen guten Platz geben

Auf dem Weg in die Klarheit triffst du wahrscheinlich immer wieder auf eine alte Bekannte, die den Weg verstellt: Die innere Kritikerin, die dich mit Angst, Zynismus und Verurteilung davon abhält, deine Gedankenschleife zu durchbrechen und das zu tun, was du eigentlich willst. Wann immer ein guter Gedanke auftaucht hat sie schon etwas daran auszusetzen, erklärt dir warum das ohnehin nicht geht, wieso du dich damit lächerlich machen wirst, was dir alles fehlt und welch furchtbaren Konsequenzen das haben könnte. “Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen” hat Viktor Frankl einmal gesagt. Dieser Satz gilt vor allem der inneren Kritikerin.
Die gute Nachricht: Indem du sie klar als Kritikerin identifizierst, verliert sie ihre Macht über dich. Denn dann verwechselst du ihre nervigen Kommentare nicht mehr mit der ganzen Wahrheit.

Also schnapp dir ein Blatt Papier, und gib deiner inneren Kritikerin einen klaren Charakter, einen Namen, ein Gesicht. Zum Beispiel könnte sie ein kleiner grüner Wurm mit einer Quietsche-Stimme sein. Dann ordne ihr die Sätze zu, mit denen sie dich regelmäßig k.o. schlägt: Du bist nicht gut genug, das schaffst du nie, damit machst du dich doch lächerlich, oder was es eben ist. Wannimmer diese Sätze wieder auftauchen, mach dir bewusst dass es ein kleiner grüner Wurm mit Quietsche-Stimme ist, der dir das gerade sagt. Und dass es daneben eine Wahrheit ist, die sehr viel größer ist.

 

3. In die Stille sinken

Gerade, wenn sich die Gedanken im Kreis drehen, gibt es kaum etwas wertvolleres als ruhig, leer und still zu werden. Kultiviere eine Praxis, in der es dir gelingt, deinen aufgewühlten Geist zu beruhigen, deine Gedanken loszulassen, deinen Körper und Atmen wahrzunehmen und in die süße Stille des puren Seins einzutauchen. Für manche ist es Meditation, für andere Yoga, Tanzen oder Waldläufe. Auch Duschen, Radfahren, Gärtnern, Saunieren oder Handwerken kann helfen, auszusteigen aus dem Gedankenkarussell.

Finde deine Praxis, kultiviere sie, lass dich in die Stille sinken und lass mal so richtig los. In dieser Stille wird ein Impuls auftauchen, der klarer ist und kraftvoller als jegliche Kopfgeburt.

 

4. Ins Tun kommen

Wir können jahrelang dasitzen und grübeln, ob wir diese oder jene Sache tun sollen. Meist ist es aber das Tun selbst, das uns erkennen lässt, ob es sich richtig anspürt oder nicht. Indem wir es erleben statt nur zu erdenken, bekommen wir schnell Feedback. Das kann direktes Feedback von unserem Umfeld sein, dass können unsere Körperempfindungen sein, während wir eine Sache tun, und das können kleine Botschaften sein, die wir bekommen während wir uns ins Tun aufmachen statt zu Hause zu sitzen und grübeln.

Gestalte dir eine Möglichkeit, wie du die Möglichkeiten vor denen du stehst ausprobieren und erleben kannst. Baue dir einen kleinen Prototypen, der klein genug ist, um dich schnell ins Tun und die konkrete Erfahrung zu bringen, und achte darauf, wie es dir dabei ergeht.

 

5. Körperweisheit befragen

Unser Körper weiß oft mehr als unser Verstand, auch wenn wir das nicht immer glauben wollen. Mit Anspannung oder Entspannung in der Bauch- oder Armgegend, mit Weite oder Enge im Brustraum, mit aufsteigender Begeisterung oder absteigender Erschöpfung ist unser Körper ein sehr verlässliches Instrument, das uns klar anzeigt ob eine Sache zu tun ist oder nicht.

Wenn du vor der Entscheidung stehst, aus unterschiedlichen Szenarien wählen zu müssen, dann schreibe jedes einzelne Szenario auf ein Blatt Papier (ein Stichwort oder eine Skizze reicht), stell dich drauf und nimm einfach wahr wie dein Körper darauf reagiert.

 

6. Dein zukünftiges Ich befragen

Es gibt eine Instanz in uns, die weiß schon längst was zu tun ist und lässt sich von den Sorgen unseres Alltags-Ichs nicht beirren. Eine leichte Möglichkeit diese Weisheit anzuzapfen ist, sie dir als dein zukünftiges Ich, also als du selbst in 10 bis 20 Jahren vorzustellen.
Oft sind die Situationen herausfordernd, VOR einer Weggabelung zu stehen und herauszufinden, was wohl die beste Entscheidung ist. Leichter ist es, aus der Zukunft zurückzublicken und mit den gutmütigen Augen älterer Menschen auf unsere jetzige Situation zu blicken.

Stell dir dich selbst in 20 Jahren vor, glücklich und zufrieden. Aus dieser Vorstellung heraus blicke auf deine jetzige Situation zurück: Was siehst du? Was rätst du dir? Zu welcher Entscheidung gratulierst du dir?

 

7. Dir Unterstützung holen

Es ist ein Wahnsinn dass wir stets glauben wir müssten große Entscheidungen alleine treffen. Oft sind die Dinge ganz klar, wenn wir sie einfach einmal aussprechen können, wenn wir uns selbst zuhören können, während wir darüber reden. Gerade bei Entscheidungen an Weggabelungen ist es wertvoll wenn uns jemand den Raum hält, in dem wir all unsere Unsicherheiten, Zweifel, Hoffnungen und Verwirrungen einmal ganz da sein lassen können. Indem wir durch unser Gegenüber einen Spiegel bekommen und Resonanz, und indem wir durch Fragen zu einem Perspektivenwechsel eingeladen werden, taucht die Klarheit oft schneller auf als uns lieb ist.

Wen kannst du bitten, dir den Raum zu halten für deine Klärung? Wer kann dir einen ehrlichen Spiegel geben? Welche Fragen laden dich zu einem Perspektivenwechsel ein?

No Comments

Post A Comment

*