(M)Eine Reise ins lebendige Leben

Ich wusste, dass mehr in mir steckt als ich bisher gelebt habe. Ich wusste, dass da noch etwas in mir schlummert, das in die Welt gebracht werden wollte. Wenn es in meinem Leben endlich mal still wurde, konnte ich es spüren. Musste ich es spüren, ob ich es wollte oder nicht. Dann fühlte ich mit aller Wucht dieses Wissen, dieses Sehnen, dieses Erinnern an das, wer ich eigentlich bin. Wozu ich hier bin. Und wie viel schöner und lebendiger meine Arbeit sein könnte, mehr noch: Mein ganzes Leben. 

Doch ich hatte Angst. Denn wahrhaftig meinem Herzen zu folgen hätte bedeutet, vieles zu verlassen, was mir scheinbar Halt, Sicherheit und soziale Anerkennung gab. Den Mann, der seit vielen Jahren an meiner Seite war und solch ein wundervoller Mensch ist. Ich wusste nicht genau warum, aber ich wusste, dass ich ihn verlassen muss um wahrhaftig meinen Weg zu gehen. Die Leitung des 1jährigen Lerngangs “Pioneers of Change”, die mir Spaß und soziales Ansehen gab. Ich wusste, dass ich auch diese Arbeit hinter mir lassen muss, um die Arbeit machen zu können, die wirklich meine Arbeit ist.

“Du solltest doch zufrieden sein”

Ich lernte in dieser Zeit die Heldenreise kennen: Die archetypische Struktur, die so vielen Mythen und Märchen zugrunde liegt und letztlich eine archetypische Struktur menschlicher Transformation ist. Die ersten Stationen dieser Reise sind die gewohnte Welt, in der die Protagonistin ihren Alltag lebt und “eigentlich” alles passt – Wäre da nicht dieser Ruf, diese Sehnsucht, dieses Gefühl, dass da draußen noch etwas besseres, etwas schöneres, etwas lebendigeres und vor allem etwas wartet, das viel mehr zu einer passt. Doch die Reaktion auf diesen Ruf ist nicht, einfach loszugehen. Sondern sich selbst einzulullen und sich selbst zu erzählen: “Aber hej, du solltest doch zufrieden sein mit dem, was du hast. Dieser Job ist so viel besser als die Jobs vieles anderer – Sei doch zufrieden damit! Diese Beziehung ist doch immerhin besser als keine Beziehung – Sei doch zufrieden damit!”. Und genau so ging es mir. Jahrelang. Ich spürte das Sehnen, ich wollte raus, ich wollte das in die Welt bringen, was ich tief in meinem Herzen spürte. Doch ich blieb. Ich blieb in einer ungesunden Beziehung. Ich blieb in einem Land, in dem ich mich nicht zu Hause fühlte. Und ich blieb in einer Arbeit, die zwar nach außen hin toll wirkte, in der aber das, wofür ich in tiefstem Herzen brenne und woran ich aus tiefster Seele glaube, keinen Platz fand. Da war ich, gefangen in meiner eigenen Heldinnenreise: Ich stand vor der Schwelle, ich traute mich nicht zu springen, und ging zurück in die gewohnte Welt. Ich wollte Veränderung, doch ich hatte schlichtweg zu viel Angst all das, was mir Sicherheit gab, loszulassen. Und ja: ich hatte auch Angst vor meiner eigenen Größe. Ich hatte mich so sehr daran gewöhnt, mit gedämmtem Licht durch die Welt zu laufen dass ich zu großen Respekt davor hatte, was wohl passieren würde, wenn ich mein Licht wirklich strahlen lassen würde. Und so blieb ich einfach weiterhin in einem Leben, das nicht wirklich zu mir gehörte. In einem selbst gebauten Käfig, in den ich nur geduckt reinpasse. Ich versuchte mich damit zu arrangieren. Meinen Frust darüber bekam vor allem mein damaliger Partner ab. 

Wenn der Ruf nicht gehört wird, sorgt der Körper mit Krankheit dafür, dass du springst

Doch das Drängen in mir hörte nicht auf. Der Ruf wurde nicht still. Gott sei Dank. Es war die Diagnose “Verdacht auf Magengeschwür”, die mich wachrüttelte. Anstatt den klassisch-schulmedizinischen Weg zu gehen, begann ich reinzulauschen, was mir dieses Magengeschwür sagen möchte. Die Antwort kam glasklar: “Hör auf bei den Pioneers!”. Ich hatte gerade zugesagt, den Lerngang ein weiteres Jahr zu leiten. “Das kann ich nicht bringen, da jetzt wieder abzusagen”, antwortete ich. Engel links, Teufel rechts. Ich wagte es. Ich schrieb einen langen Brief, in dem ich dem Team mitteilte, dass ich die Lerngangsleitung abgebe und mich ganz aus der Organisation rausziehen werde. Ein Tag später waren alle Magenschmerzen verschwunden. 

Ein Schmetterling verlässt den Kokon

Das war der Beginn eines großen Raus-Schälens. Ich beendete einen Job, der mir nicht gut tat. Ich beendete eine Beziehung, die uns beiden nicht gut tat. Und ich zog aus einem Land, in dem ich mich nie wirklich zu Hause fühlte, zurück nach Deutschland. Tief in meinem Herzen spürte es sich so stimmig an. Dort spürte es sich an, als würde ein Schmetterling den Kokon verlassen. Doch wenn ich mir vorstellte, wie man mich jetzt wohl von außen betrachtete, fühlte ich mich wie eine Versagerin. Ich war Anfang dreißig, ich wollte so sehr Mutter werden. Stattdessen war ich jetzt Single. In einer neuen Stadt, in der ich kaum jemanden kannte. Ohne Job. Was, zum Geier, tue ich?

Und während ich mir vorstellte, wie andere wohl mit dem Finger auf mich zeigen und “Versagerin!” rufen, bekam ich immer mehr Zuschriften. Zuschriften von Frauen, die mir sagten, wie sehr ich sie inspiriere. Wie sehr sie mich für meinen Mut bewundern. Wie sehr sie spüren, dass auch sie sich eigentlich aus einer ungesunden Beziehung lösen wollen, aus einem ungesunden Job, aus einer unbefriedigenden Lebenssituation. Wie sehr sie spüren, dass sie eigentlich etwas anderes, etwas größeres, etwas schöneres ruft. Doch sich nicht trauen. Beziehungsweise sich jetzt, durch meinen Schritt, eher trauen. Diese Emails, die ich in der Zeit bekam, haben mir die Augen geöffnet. Und ich bin jeder Einzelnen, die mir damals schrieb, noch immer aus ganzem Herzen dankbar. Denn erst dadurch erkannte ich, dass wir nicht dann gute Menschen sind, wenn wir uns verbiegen, um in eine Arbeit, eine Beziehung und eine Art zu leben zu passen, die zwar gesellschaftlich anerkannt ist aber unserem ureigenen Wesen widerspricht. Sondern dass es darum geht, uns selbst die Lebensumstände zu kreieren, die wirklich zu uns passen. 

(M)Eine Reise ins lebendige Leben

Einige Jahre ist das nun her. Es war der Anfang einer wunderschönen Reise. Einer Reise ins lebendige Leben. Von außen betrachtet ist mein Leben noch immer ganz schön unkonventionell. Doch von innen betrachtet wurde ich dadurch mehr und mehr und mehr die Frau, die ich sein möchte. Und die ich in tiefstem Herzen spüre, zu sein. Was ich durch diese Reise lernen konnte? Das loszulassen, was nicht wirklich zu einem gehört und sich das zu erschaffen, was man eigentlich leben möchte, wird immer leichter. Es ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Und was dabei vor allem wächst, ist das Vertrauen: Das Vertrauen, dass ich meinem Herzen folgen darf. Dass wundersame Dinge geschehen, wenn ich meinem Herzen folge. Dass Fülle nicht entsteht, wenn ich aus Angst handle. Sondern wenn ich mutig genug bin, in Liebe die Schritte zu setzen, von denen ich spüre, dass sie zu setzen sind. Auch wenn sie noch so unbequem scheinen. Am Ende ist nichts unbequemer als in einem Leben festzustecken, das eigentlich gar nicht zu uns gehört. Und nichts ist schöner, als sich ein Leben zu kreieren, das sich wahrhaftig und stimmig und lebendig anfühlt. 

Jetzt du!

Was in dir drängt danach, gelebt zu werden? Vor welchem unbequemen Schritt stehst du gerade? Und vor allem: Was brauchst du, um das Vertrauen und die innere Stärke zu spüren, wahrhaftig deinen Weg zu gehen? Schreib mir gerne dazu! Ich freue mich über jede einzelne Geschichte dazu.

Unbequeme Schritte sind oft leichter, wenn du sie nicht alleine machst. Lass uns gerne in einem kostenlosen Erstgespräch sprechen und gemeinsam schauen wo du stehst, wo du hin möchtest und ob ich dich dabei unterstützen kann.

Ich freu mich auf dich. Bis gleich.