The unlived life within us

“Ask me whether what I have done is my life” fragt der Dichter William Stafford und stellt damit eine unbequeme Frage: Ist das Leben, das ich bisher gelebt habe wirklich das Leben, das ich leben will? Mehr noch: Ist es das Leben, das durch mich gelebt werden will?

 “Und eigentlich will ich ja noch etwas ganz anderes machen”: Wenn dieser Satz fällt, weiß ich: Jetzt wird es spannend! Jetzt kommen wir zu dem, was wirklich gelebt werden will. Was die Augen wirklich zum leuchten bringt. Denn was sich hinter diesem “eigentlich” versteckt, hat das Potential, das Leben einer Frau in eine Reise ins lebendige Leben zu verwandeln. 

Den eigenen Ruf wahrnehmen

Wir haben uns an Aufgaben und Rollen gewöhnt, die wir pflichtbewusst ausführen, an einen Beruf und einen sozialen Status, der uns Identität spendet, und an eine Art uns durch Leben zu bewegen, die wir uns so sehr angewöhnt haben, dass wir glauben könnten, es sei unsere ureigene Art. Diese Aufgaben, Rollen und Qualitäten strukturieren unseren Alltag, geben uns Sinn und Ausrichtung, Identität und Sicherheit. Jahrelang können diese Aspekte auch wirklich stimmig gewesen sein. Doch mehr und mehr schleicht sich das Gefühl ein, dass irgendetwas daran nicht stimmt. Plötzlich merken wir, dass wir Rollen, Aufgaben und eine Geschwindigkeit übernommen haben, die eigentlich gar nicht uns entsprechen. Dass das Leben, an das wir uns gewöhnt haben, gar nicht unser eigenes ist. Und dass wir eigentlich etwas ganz anderes leben wollen. 

Wenn es still wird, können wir manchmal etwas wahrnehmen, was vielerorts als “der Ruf” bezeichnet wird. In diesen stillen Momenten ist es, als würde sich eine Tür einen Spalt weit öffnen und uns auf das Leben blicken lassen, das eigentlich zu uns gehört. Ohne es begründen zu können wissen wir, dass wir dorthin gehören. Zu einer Aufgabe, einer Qualität, einer Art in der Welt zu sein, die unserem tiefsten Wesen entspricht. Dass wir zu diesem Leben gehören, und es zu uns. In diesen stillen Momenten wissen wir, dass da noch etwas ist, das durch uns in die Welt kommen will.

Das ungelebte Leben will gelebt werden

Eigentlich will ich ein Buch schreiben. Eigentlich will ich dieses Seminar in die Welt bringen. Eigentlich sehe ich mich, Vorträge halten. Eigentlich will ich etwas machen, mit dem ich viel mehr in der Natur bin. Eigentlich will ich meine Businessidee endlich umsetzen. Es ist das “eigentlich”, das uns von unserem Herzenswunsch trennt. Es ist das “eigentlich”, das uns in einem Leben hält, das vielleicht ganz gut läuft. Und doch ein Alltag bedeutet, mit dem wir Tag für Tag an unserem ureigenen Leben vorbei leben. 

Wir können uns die Ohren wie Odysseus mit Wachs verschließen, um die Sirenen dieses ungelebten Lebens nicht mehr zu hören. Doch der Ruf geht nicht weg. Das ungelebte Leben will gelebt werden. Es sucht sich immer wieder neue Wege, uns daran zu erinnern, dass es in uns ist. Manchmal kommt es in Form von Sehnsucht, von Inspiration, von leuchtenden Augen und dem überwältigenden Gefühl, dass eine mögliche Zukunft plötzlich in greifbare Nähe rückt. Gehen wir diesem Ruf jedoch nicht nach, dann sucht es sich andere, ungemütlichere Wege. Das ungelebte Leben meldet sich dann in Form von Kopfschmerzen, einer Depression oder, wie in meinem Fall, einem Verdacht auf ein Magengeschwür. 

Most of us have two lifes. The life we live, and the unlived life within us. Between the two stands resistance.

Steven Pressfield

Vom Jona-Komplex und der Angst, unserem Ruf zu folgen

Immer wieder staune ich, dass wir uns etwas so sehr wünschen. Und uns davor verstecken, wenn es in greifbare Nähe rückt. Manchmal scheint es mir, dass wir fast Angst davor haben, unser volles Potential zu leben. Wir bleiben lieber in einem Leben voller Mittelmäßigkeiten, in dem wir uns zwar nach einer schöneren Zukunft sehnen und unsere Träume hegen. Doch wir stecken mehr Zeit in eine detaillierte Urlaubsplanung als daran, unsere schönste Zukunft zu planen und aktiv Schritt für Schritt in unser Leben zu bringen. “Was ist hier los?” habe ich mich gefragt und mich auf Spurensuche begeben. 

Antworten habe ich unter anderen bei Abraham Maslow gefunden. Auch er beobachtete, dass Menschen einerseits in Richtung Selbstverwirklichung streben, gleichzeitig aber auffallend viele Menschen sich mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden geben, anstatt ihr volles Potential auszuschöpfen. Denn: Wer mittelmäßig ist, kann herrlich gemütlich in der Masse verschwinden, ragt nicht hinaus. Und wer nicht hinausragt, hat auch weniger Angriffsfläche. 

Er schreibt: “We fear our highest possibilities (…) We are generally afraid to become that which we glimpse in our most perfect moments, under the most perfect conditions, under the conditions of greatest courage. We enjoy and even thrill to godlike possibilities we see in ourselves in such peak moments. And yet we simultaneously shiver with weakness, awe, and fear before these very same possibilities.”

Maslow spricht in diesem Zusammenhang vom Jona-Kompelx, in Anspielung an die biblische Geschichte von Jona. Jona bestieg ein Schiff in die andere Richtung, um sich vor einer Aufgabe zu drücken, die Gott ihm gab. Genau so reagieren viele Menschen, wenn sie ihren inneren Ruf wahrnehmen. Anstatt beherzt dafür zu gehen, taucht sofort die Frage auf: “Wer? ich? Diese Aufgabe?”. Wir fragen uns: “Wer bin ich, so etwas Großes zu vollbringen?” und nehmen ein Schiff in die andere Richtung. Anstatt für die Idee zu gehen, die unser ganzes Wesen vor Lebendigkeit vibrieren lässt, gehen wir brav zurück in unseren bisherigen Job. In unseren bisherigen Alltag. Der zwar nur mittelmäßig ist, aber zumindest sicher. Zurück in die herrlich gemütliche Komfortzone. 

A boat is safe in the harbor. But this is not the purpose of a boat.

“A boat is safe in the harbor. But this is not the purpose of a boat” habe ich kürzlich gelesen. Wie ist das mit dir? Lässt du dein Boot im Hafen, weil es dort vermeintlich sicherer ist? Wo würde das Boot hinfahren und wie würde es sich bewegen, wenn du den Anker lichten würdest? Und vor allem: Wie würde sich das anfühlen?

Es lohnt sich, diese Fragen zu erkunden und gerade als Frau die wundervolle Erfahrung zu machen, wie kraftvoll und lebendig sich das anfühlt, den Anker zu lichten und beherzt in See zu stechen. Wirklich Kapitänin deines Schiffes zu werden. Und das in die Welt zu bringen, was durch dich geboren werden will. 

Jetzt du!

Welches ungelebte Leben in dir will gelebt werden? Was in dir drängt danach, in die Welt gebracht zu werden? Wo nimmst du das Schiff in die andere Richtung, anstatt beherzt deinem Ruf zu folgen? Und vor allem: Was brauchst du, um das in die Welt zu bringen, was bereit ist geboren zu werden?

Wenn du Lust hast diese Fragen gemeinsam zu erkunden: Dann lass uns gerne in einem kostenlosen Erstgespräch sprechen und gemeinsam schauen wo du stehst, wo du hin möchtest und ob ich dich dabei unterstützen kann.

Ich freue mich auf dich. Bis gleich.